Soisdorf



Artenschutzturm


Im Zuge der Modernisierung des Stromnetzes, der Umstellung der alten Freileitungen auf Erdkabel, wurden und werden viele dadurch funktionslos gewordene Trafohäuschen abgerissen und durch moderne Kabelfertigstationen ersetzt.

Abriss muss aber nicht die einzige Lösung sein.

Besonders alte, bau- und technikgeschichtlich interessante Stationen können als Bau- und Kulturdenkmale unter Denkmalschutz gestellt werden.

In den letzten Jahren erkannten immer mehr Menschen das Potential der kleinen, vertrauten, oft ortsbildprägenden Türmchen; bewahrten diese vor dem Abbruch und führten sie in unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit neuen Nutzungen zu.

Nach einer artenschutzgerechten Sanierung kann auch dieses Trafohäuschen in Soisdorf als Schleiereulenturm, Insektenhotel und Schwalbenpension dienen.

Unter seinem Dach finden Kohl- und Blaumeise, Hausrotschwanz, Haussperling, Rauchschwalbe, Mauersegler, Dohle, Turmfalke, Schleiereule sowie Fledermäuse ein neues Zuhause.

Mögliche Wintergäste sind Reptilien und Amphibien; in einer begrünten Fassade können auch Insekten wohnen.

Informationen zur Schleiereule:

Die etwa taubengroße Art ist durch ihren hellen, herzförmigen Gesichtsschleier unverwechselbar.

Sie jagt nachts und ernährt sich vor allem von Mäusen und anderen Kleinsäugern.

Schleiereulen können kaum besser sehen als Menschen, daher ist ihr außerordentlich gutes Gehör von besonderer Bedeutung für die erfolgreiche Jagd im Dunkeln.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Schleiereule dem Menschen als Schädlingsbekämpfer ein willkommener Gast.

In Scheunen, auf Dachböden und in Kirchtürmen fand die Art Brutplätze und reichlich Nahrung.

Mit der Umstellung der landwirtschaftlichen Produktionsweisen und dem Verschwinden der großen Feldscheunen und Getreidespeicher in den letzten Jahrzehnten haben sich auch die Rahmenbedingungen für die Schleiereulen negativ entwickelt.

Umso wichtiger ist damit die Erhaltung geeigneter Strukturen für die seltene Eulenart in unserer Kulturlandschaft.